Umgang
mit Opioiden im Alltag
Starke Schmerzmittel wie Opioide werden in Deutschland auf
speziellen Rezepten verordnet, den so genannten BtM-Rezepten
(nach „Betäubungsmitteln“,
wozu man die Schmerzmittel der Stufe 3 zählt). Eigentlich sollten diese
Medikamente besser als starke Schmerzmittel bezeichnet werden, denn eine Betäubung
soll ja gar nicht erreicht werden. Aber allein wegen des Namens sind diese Medikamente
mit vielen Vorurteilen verbunden.
Opioide und Therapie-Pass
Hilfreich ist ein so genannter Therapie-Pass, in dem der Arzt Art und Dosierung
des eingesetzten Opioids einträgt. Der Patient sollte den Pass wie den
Personalausweis immer bei sich führen. Dann weiß bei einer plötzlichen
Erkrankung der vor Ort behandelnde Arzt sofort über die nötige
Schmerztherapie Bescheid. (ggf. Abbildung und Download)
Opioide und die Reaktionsfähigkeit
Opioide können die Reaktionsfähigkeit beeinflussen, insbesondere
zusammen mit Alkohol oder Beruhigungsmittel und zu Beginn der Therapie. Das
gilt es z.B. beim Autofahren zu beachten.
Allerdings sind unzureichend behandelte Schmerzen
ein noch größeres Risiko. Sie können unsere Konzentration
und Reaktionszeit stärker als viele Medikamente beeinträchtigen.
Der Kranke ist dann oft so abgelenkt, dass er auf Gefahren nicht
mehr schnell genug regieren kann. Umgekehrt schafft eine angemessene
Schmerztherapie oft erst die Voraussetzung, wieder aktiv am Alltagsgeschehen
wie dem Straßenverkehr teilzunehmen.
Zu Beginn der Opioideinnahme oder bei Anpassungen
der Dosierung sollten Patienten immer auf die Teilnahme am Straßenverkehr
verzichten. Dann sind viele Patienten unkonzentriert oder müde.
Erst wer sich nach zwei Wochen Therapie auf einem stabilen Niveau
befindet, kann gemeinsam mit dem Arzt klären, ob und unter
welchen Bedingungen er am Straßenverkehr teilnehmen kann.
Opioide
und Reisen
Um
im Urlaub keine Probleme mit der „Ein- bzw. Ausfuhr“ opioidhaltiger
Schmerzmittel zu bekommen, sollte man bei Auslandsreisen immer
eine Bescheinigung des behandelnden Arztes vorweisen können.
Für Reisen bis zu 30 Tagen innerhalb der Staaten des Schengener
Abkommens (Deutschland, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Island, Italien, Norwegen, Luxemburg, Niederlande,
Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien) gibt
es dafür ein Formblatt, dass Sie hier herunterladen können
(Download). Es belegt die medizinische Notwendigkeit der Opioideinnahme
und enthält neben dem Namen des Arztes Patientendaten und
Angaben zu den Medikamenten. Das Formular muss nach dem Ausfüllen
vom örtlichen Gesundheitsamt beglaubigt werden. Am besten
man erkundigt sich frühzeitig bei seinem Arzt, bei weiteren
Reisezielen auch bei der Botschaft der betreffenden Länder.
So sind unliebsame Überraschungen von vorneherein auszuschließen.
Opioide und
Sexualität
Schmerzmittel
wie Opioide werden nur selten mit sexuellen Störungen in Verbindung
gebracht. Theoretisch können sie aber ebenso wie Beruhigungs-
oder Schlafmittel das Sexualleben verändern oder bereits bestehende
Schwierigkeiten verstärken. Wenn es dazu kommt, sollten Betroffene
das gegenüber ihrem Partner offen ansprechen. Gemeinsam können
Sie sich dann an den behandelnden Arzt wenden, um nach den Ursachen
und Therapiealternativen zu suchen. Oft hilft schon die einfache
Umstellung auf ein anderes Schmerzmittel oder der Wechsel einer
Begleitmedikation.
Opioide
und Ernährung
Mit der richtigen Schmerztherapie steigt auch wieder der Appetit. Leckeres
Essen lenkt zudem ab, verringert dadurch die Schmerzempfindlichkeit und trägt
somit zur verbesserten Stimmung bei. In punkto Ernährung ist es während
einer Therapie mit Opioiden wichtig, ballaststoffreich zu essen und viel zu
trinken. So lässt sich einer relativ häufigen Begleiterscheinung
der Opioide entgegenwirken: der Verstopfung (link zu Verträglichkeit).
Reich an Ballaststoffen sind beispielsweise Haferflocken, Weizenkleie und allgemein
Vollkornprodukte. Auch Kartoffeln und viele andere Gemüsesorten sind ergiebige
Quellen.

Wichtig ist, dabei immer ausreichend
zu trinken, um die Ballaststoffe ausreichend aufzuquellen. Schon
Gesunde sollten täglich mindestens 2 Liter trinken. Bei
Kranken, die zudem meistens mehr schwitzen, ist der Bedarf noch
höher. Viel zu trinken kann manchmal schwierig sein. Gerade
bei älteren Menschen lässt das Durstempfinden nach.
Dann hilft oft ein einfacher „Trinkplan“: Er legt über
den Tag verstreut möglichst abwechslungsreich Getränke
fest. Mineralwasser und Säfte aber auch Früchte- und
Kräutertees bieten sich an. Vorsicht ist bei Alkohol und
Kaffee geboten. Sie entziehen dem Körper sogar noch Flüssigkeit.
Wer darauf nicht verzichten möchte, sollte parallel immer
die gleiche Menge an Wasser trinken.
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